Zum 175. Jubliläumsfest ist auch eine Festschrift erstellt worden, die hier als pdf-Datei (ca. 3,2 MB) heruntergeladen werden kann.


 

Ein Schützenerleben (von Klaus-Julius de Fries)

I. Einleitung
Wie nannte die Tourist Information Xanten (TIX) 2004 die Bürgerschützen:
"Relikte aus weniger friedlichen Zeiten, das wichtigste Ereignis ist das alljährliche Schützenfest".

Das Wort Relikt weckte in mir einen gewissen negativen Bezug (lat. relictum abgelegt, zurückgelassen), dies sollte hinterfragt werden. Nachdem ich mich nun über 50 Jahre mit der Bürger-Schützengesellschaft Xanten befasse, begann die Beschäftigung mit den geschichtlichen Hintergründen, welchen die Gesellschaft ihre Entstehung zurechnen kann. Denn die Erinnerung ist gelebte Geschichte. Die Frage, warum die Gesellschaft gegründet wurde, kann aus meiner Sicht nur aus dem geschichtlichen Umfeld abgeleitet werden, denn ich bin der Ansicht, dass die Schützengesellschaften im weitestem Sinne ein Bestandteil der deutschen Einheits- und Freiheitsbewegung sind.

II. Geschichtliches Umfeld bei Gründung
a. Lage zu Beginn des 19. Jahrhunderts

Die französische Revolution 1789 (Sturm auf die Bastille) erschütterte die bisher absolutistischen Regierungsformen und vernichtete sie in Frankreich unmittelbar. Der Schlachtruf der Revolution: "Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit" überschritt die Grenzen Europas und begeisterte die Bürger. Der Ruf nach Teilhabe an der Macht wurde im ganzen Reich unüberhörbar. Napoleon, ein Produkt dieser Revolution, stellte sich jedoch bald als ein bloßer Eroberer heraus.

Am 6. August 1806 endete nach etwa 850 Jahren das "Heilige Römische Reich Deutscher Nation". Der letzte deutsche Kaiser, der Habsburger Franz II. beugte sich dem Willen Napoleons und dankte ab. Um einen kleinen Begriff zu geben über die Umfang des Reiches in seiner größten Ausdehnung, seien hier nur einige Städte genannt, welche in etwa die Grenzen darstellten. Triest, Graz, Wien, Breslau, Stettin, Utrecht. Das "Heilige Römische Reich Deutscher Nation" war noch kein Nationalstaat, obwohl der Begriff in ihm schon vorhanden war. Die Abdankung Franz II, war in gewisser Weise auch ein Ergebnis der deutschen Zersplitterung. Das alte Reich begann mit der Krönung Otto I, am 2.Februar 925 in Aachen, nun war es erloschen. Das von Königen, Fürsten und ständischen Stadtstaaten geprägte, zersplitterte und dadurch machtlose Reich war beendet. Die großen Mächte im Reich, Preußen und Österreich, hatten kein Interesse an diesem kleinteiligen Gebilde, genannt Reich und folgten eigenen Interessen. Der Philosoph Hegel meinte nur kurz: "Deutschland ist kein Staat mehr. Goethe schrieb nur teilnahmslos, der Streit seiner Kutscher habe ihn mehr bewegt als die Nachricht vom Tod des Reiches (RP 5.8.2006). Die Stimmung war also reichsfeindlich bzw. gleichgültig, zumindest in dieser zersplitterten Form.

Die französische Revolution hatte die Begeisterung für die Nation geweckt und damit auch die gebildeten Stände und Handwerkerschaft erreicht. Der Drang nach Mitwirkung an politischer Gestaltung brach sich Bahn. Napoleon hatte ungewollt große Teile der deutschen Zersplitterung beseitigt und damit den Weg zur Einheit Deutschlands bereitet, indem er, um Bündnispartner und damit Soldaten zu bekommen, die Rheinbundstaaten (z.B. Bayern wurde 1806 Königreich, ebenso wie Württemberg) stärkte. Außerdem reformierte er die Verwaltung und Justiz. Nach den Befreiungskriegen 1813 (Völkerschlacht bei Leipzig) bis 1815 (Waterloo, Napoleons endgültiges Scheitern) kam es zum Wiener Kongress. Metternich, dem österreichischen Außenminister, gelang es tatsächlich das Rad der Geschichte ein Stück zurückzudrehen. Die Restauration nahm ihren Lauf.


b. Militärischer Einfluss

Militärdienst galt nach der französischen Revolution als patriotisch.Die gesellschaftliche Ablehnung des Militärischen wandelte sich in patriotische Verpflichtung. Speziell in Frankreich war die Begeisterung für das Revolutionsheer groß. Dies blieb auch in Deutschland nicht ohne Eindruck und brach sich letztlich, in der Bildung von Freikorps, Bahn. Der Zwang früheren Militärdienstes mit seinen zum Teil drakonischen Strafen, wich der Freiwilligkeit und dem Dienst am Großen und Ganzen, nämlich der gewünschten Nation in Einheit.


c. Besonderheiten der Wehrpflicht

Die Niederlage bei Jena und Auerstedt 1806 legte die Mängel des militärischen Systems aus der Zeit Friedrich des Großen offen. Nach der Niederlage Preußens hatte Napoleon um 1811 die preußischen Armee auf 40.000 Mann beschränkt. Es werden also Umgehungsmöglichkeiten gesucht und angewandt um die Mannschaftsstärke ohne Vertragsverletzung zu erhöhen. Auf dem Lande werden sogenannte Schützenvereine gegründet. Die Landbevölkerung wird im Gebrauch der Waffe unterrichtet. Als Freikorps, von Kriegsfreiwilligen gebildete Verbände, treten sie dann in den Befreiungskriegen gegen Napoleon wieder auf. Hier werden zum ersten Mal die politisch gesellschaftlichen Hintergründe zur Gründung von Schützenvereinen sichtbar. Die Bevölkerung identifizierte sich mit dem Staat und war zu Opfern bereit.

Generalmajor Scharnhorst hatte diese Tuppenvermehrungspraxis Friedrich Wilhelm III, König von Preußen, empfohlen. Der Aufruf vom 3. Februar 1813 in Breslau zur Formierung von freiwilligen Jäger -Detachements zielte besonders auf die Staatsbewohner, welche nach den bisherigen Cantongesetzen vom Dienst befreit waren und wohlhabend genug waren, sich selbst zu bekleiden, zu bewaffnen und beritten zu machen. Besonders ist hier das Freikorps von Lützow zu nennen. Die Freiwilligen dieser preußischen Einheit rekrutierten sich aus ganz Deutschland. Die Begeisterung ging so weit, das sich selbst Frauen als Männer verkleidet freiwillig meldeten. Die Stimmung war also zu dieser Zeit patriotisch und ein Nationalgefühl entwickelte sich. Nach den Befreiungskriegen ( 1813 - 1815 ) kopierte Preußen die Wehrpflicht nach französischem Vorbild. Ab 1813 galt die allgemeine Wehrpflicht im Rahmen der preußischen Reformen. Da die Wehrpflicht jedoch weite Bevölkerungsteile entbunden hatte, insbesondere Vermögende, Beamte, Kaufleute und Fabrikanten, konnte man sagen, praktisch bestand sie nicht für Adel und Bürgertum. Kriegsdienst wurde also fast ausschließlich von der Unterschicht erwartet.

d. Die Schützen-Gesellschaft als funktionierender Militärkörper

Wie schrieb Max Basque (Festschrift zum hundertjährigen Bestehen der Gesellschaft 1931): In den ersten Jahren tauchen viele Weseler Offiziere auf, die vielfach auch einstimmig aufgenommen wurden. Man kannte sie nicht so genau wie die Nachbarn in der Stadt, legte aber andererseits auch großen Wert darauf, diese hohen Herrschaften als Schützenbrüder bei sich zu haben.

Hier wird deutlich, welches Interesse der preußische Staat an den Schützengesellschaften hatte. Um im Falle einer militärischen Auseinandersetzung funktionierende Einheiten zu haben, war deren Training und Überwachung durch Fachpersonal unbedingt erforderlich. Diesem Zwecke war wohl die anzunehmende Abkommandierung der Offiziere aus der Garnison Wesel zuzuordnen. Auch die in den ersten Jahren besonders gepflegte Schießausbildung, lässt diesen Schluss zu. So hatten z.B. die Statuten der Gründungssatzung zu über 40 v.H. militärisch-, schießtechnischen Bezug (§§1,2,5,6,7,17-24). Es ist auch anzunehmen, dass die Ausbildung Kommandos und die Bewegung von Truppenkörpern umfasste, wie wäre sonst das Antreten und Marschieren im Kompanieverband zu erklären. Bis in die 1930er Jahre belegen auch alle Bilder der Gesellschaft die Bewaffnung der Schützen mit Gewehren, unterbrochen von der Besatzungszeit 1922 - 1923 durch Franzosen und Belgier. In Xanten waren übrigens Belgier die Besatzer.

Nach dem II. Weltkrieg war dann der Spazierstock die Andeutung dieser Vorgeschichte (Geselligkeit überwiegt nunmehr deutlich das Militärische). Auch die Verleihung der Gefreitenknöpfe deuten auf militärischen Bezug hin. So waren laut Festschrift zur 100-jährigen Jubelfeier Schützen-Knöpfe Empfänger Bürgermeister Hermanns 1830 - 1833 und Bürgermeister Freiherr von Haeften sen. 1833 -1836. Zu Zeiten der Festschrift wurden scherzhaft nur Kork-Blech-Verschlüsse von Wasserflaschen verliehen. Der ernste, ehrende und militärische Bezug war also mehr der geselligen Unterhaltung gewichen.

III. Gründung
a. Gründung und Gründer

Wie schrieb Max Basque in der Festschrift zum hundertjährigen Jubelfest: Ein Gründungsprotokoll ist nicht überliefert. Es existierten nur mündliche Überlieferungen, welche jedoch auch nicht zu ermitteln sind. Hier könnte also die nicht vollständig erfassende Wehrpflicht der Grund gewesen sein, denn auch die Xantener Bürger wollten dem Staat Preußen dienen, der ja den nationalen Einheitsgedanken am meisten repräsentierte.Die Gründer des "Schützen-Vereins" waren lt. Basque folgende:

1. Carl de Bruyn; "erster Vorsteher des Vereins", war 12 Jahre ununterbrochen im Vorstand, meist als Rendant.
2. Enners; "zweiter Vorsteher des Vereins".
3. Sprengell; Rendant.
4. Friedrich Ueberhorst; Bürgermeister (wohl von Wardt), von 1845 ab als Rittmeister bezeichnet; gestorben 1855.
5. Dr. med. Ueberhorst.
6. Benjamin Ueberhorst.
7. Leopold de Bruyn.
8. G. Schmitz; Gerichtsschreiber.
9. Wagner.
10. Blank; Wasserbauinspektor, als Baurat 1847 gestorben.
11. Dr. Haun.
12. Heinrich Verheyen.
13. Theodor Verheyen.
14. Tenhaeff.
15. E. Fabry.
16. von Lom; Denkmal auf dem Xantener Friedhof.
17. Christian (?) Schneider, "Silberschmidt"; Presbyter der evangelischen Kirchengemeinde. Sein Sohn Johann Diedrich Schneider, der als Goldarbeiter bezeichnet wird und im Jahre 1842 mit seinem Bruder, dem Geometer Carl Schneider, ebenfalls Mitglied wird, kaufte im Jahre 1826 von der evangelischen Kirche das daneben liegende Haus, die sogenannte Küsterei für 530 Taler. - Der Kaufakt, von Notar Houben aufgestellt,´konnte eingesehen werden.
18. Phillip Houben; Notar, später Justizrat, der berühmte Altertumssammler. Die ganze Sammlung kam nach seinem Tod (1855) leider unter den Hammer und wurde in alle Welt verstreut. Ihre kostbarsten Stücke bilden heute den Stolz des Britischen Museums in London. Einiges kam nach Paris und Berlin. Eine große Sammlung Ton- und Glasgefäße, die damals weniger geschätzt wurden, konnten für Xanten gerettet werden und wird in unserem Heimatmuseum im Clever Tore aufbewahrt. So war es 1931.
19. Peter Ten Elsen war später längere Jahre Direktor. +1856
20 Steiner; Wasserbauaufseher. Von seinen Söhnen, die auch Mitglieder wurden, hatte Ferdinand Steiner die Posthalterei inne; er bewohnte das (jetzt) Haas'sche Haus; die Stallungen waren gegenüber, wo heute das neue Haus von Jakob Moeren steht (Ecke Scharn- und Hühnerstraße). Er war von 1872 - 1880 Rendant der Gesellschaft. Ein zweiter Sohn, Dr. Josef Steiner, Sanitätsrat, war der verdienstvolle Gründer und langjährige Leiter des Museums.
21. Heinrich Hollands, Kaufmann und erster König.
22. Kellendonk.
23. Peters, Landwirt zu Petershof auf dem Fürstenberg.
24. Hermann Römer; Bierbrauer; Presbyter, unterschreibt den oben erwähnten Kaufakt mit.
25. Johann Gorris; Gastgeber und Kaufmann in dem Hause neben dem heutigen Hotel van Bebber auf der Cleverstraße, das beim Straßendurchbruch niedergerissen wurde. Später wohnte da der Wirt Schraut. In diesem Hause waren viele Jahre die regelmäßigen Winterversammlungen des Vereins.
26. Busch.
27. Johann Boom; Salzfactor, zeichnete zuerst am 15. Juli 1832.
28. de Bruyn; er war wohl ein Bruder von Carl u. Benjamin de Bruyn
29. Unleserlich, vielleicht J. Bartels (?). Diese Unterschrift erscheint nur ein einziges Mal am 18.3.1833
30. Unleserlich, obwohl sehr gewandte Schrift, aber scheinbar stark verkürzt; vielleicht Krümmel (?). Diese Unterschrift erscheint erstmalig am 15.7.1832. Krümmel wird 1846 als verstorben erwähnt.
31. Heinrich Schleß; Kaufmann. Obwohl er erst 1838 (also 7 Jahre nach der Gründung) erstmalig als anwesend aufgeführt wird, muß er doch wohl zu den Gründern gezählt werden, da nirgends seine Aufnahme vermerkt wird.
32. Theodor Brink sen; erscheint zuerst 1840.
33. Kerßenboom; auch bei ihm Aufnahme nie vermerkt; erstmals 1830 anwesend.

Warum ist die Schützengesellschaft gegründet worden? Diese Frage blieb also in allen Festschriften unbeantwortet. Obwohl 1931 wohl noch einige Unterlagen vorlagen.

Metternichs Restaurationserfolg hatte zwar den Anspruch auf demokratische Mitsprache zurückgedrängt, aber die Folgen der nationalen Zersplitterung (militärische Niederlagen und napoleonische Besatzung) nicht aus dem Gedächtnis der Bevölkerung getilgt. Die Menschen sehnten sich nach nationaler Einheit (vergleiche geschichtliches Umfeld). Da die Xantener Gründer wohl zum gehobenen Stand gerechnet werden mussten, kann man davon ausgehen, dass sie die politische Lage kannten. Zu großen Teilen werden auch noch persönliche Erlebnisse der französischen Besatzung präsent gewesen sein. Außerdem waren sie wohl alle von der damals noch lückenhaften Wehrpflicht entbunden. Man wandte sich also dem Erreichbaren zu, Preußen. Dieser Staat, welchem Xanten ohnehin angehörte, verkörperte in Deutschland (in großen Teilen auch Süddeutschlands) diesen Einheitsgedanken am perfektesten. Seine reformierte Ordnung und sein Streben nach Vereinheitlichung und Erweiterung seines Staatsgebietes traf den Wunsch der Deutschen und damit auch der Xantener Bürger nach Einheit am besten. Sie befanden sich damit im herrschenden Zeitgeist, bildeten sich doch in ganz Deutschland Turn-, Wehr-, Gesang- und Schützenvereine. Insofern ist auch die Liedertafel Orphea Xanten (Gründungsjahr 1836) eine Schwester im Geiste.

Die Gründung der Bürgerschützengesellschaft Xanten war wohl ein Ergebnis dieses Hintergrundes. Statuten gab sich der Schützenverein Xanten erst am 15. Januar 1832 mit folgender Einleitung: "Der bereits seit einem Jahr errichtete Schützen-Verein zu Xanten stellt in seiner heutigen Versammlung seine Statuten folgendermaßen fest." Es folgten die 31 Paragraphen. Zum Beispiel § 1 der Gründungsstatuten( 1832): Es wird zweimal in der Woche, und zwar an jedem Sonntage und Donnerstage, Nachmittag drey Uhr, nach der Scheibe geschossen. Dem gegenüber hört sich § 1 der Satzung aus 1857 schon ganz anders an : Der Zweck der Gesellschaft besteht in einer freundschaftlichen geselligen Unterhaltung, verbunden mit Schießübungen. Das Ziel kann nur durch Einigkeit erreicht und diese nur dadurch erhalten werden, wenn sich die Mitglieder der Gesellschaft feststehenden Gesetzen unterwerfen.

Man sieht hier sehr deutlich den Wandel der Gesellschaft innerhalb von 25 Jahren vom mehr Militärischen zum Geselligen. Außerdem finden sich die Schießvorschriften nunmehr im hinteren Teil der Satzung. Dess weiteren veränderte sich der Paragraphenumfang stetig. Die Gründungssatzung hatte noch 31, beginnend mit Schießvorschriften, 25 Jahre später waren es schon 60, aber die Schießvorschriften waren an den Schluss gewandert. Nach dem II. Weltkrieg genügten 12 Paragraphen ohne Schießvorschriften. Es spiegelt sich aber auch die Wandlung der preußischen Wehrpflichtreformen wider. Zunehmend war eine allgemeine Pflicht zum Dienst an der Waffe, dem durch Ausnahmen und Privilegien durchbrochenen Dienst gewichen. Den Schützenvereinen, als Bestandteil einer Landesverteidigung gegen mögliche Eroberer, kam militärisch immer weniger Bedeutung zu.


b. Unterscheidung zu den Bruderschaften

Während die Schützenbruderschaften ihre geschichtlichen Wurzeln meist im 13. bis 15. Jahrhundert (St.Helena-Bruderschaft 1362 und St. Viktorbruderschaft 1393) und in der Sicherung der Stadt in enger Verbindung mit den verschiedenen Heiligen der katholischen Kirche fanden (Glaube, Sitte, Heimat), war der nationale Gedanke bei den Schützengesellschaften überwiegend. Ihr Ansatz ging weit über den Stadt- und Regionalbereich hinaus und war mehr der Nation verpflichtet. Auch war es schwierig, um nicht zu sagen unmöglich, bis weit ins 20. Jahrhundert hinein, als Nichtkatholischer, Mitglied einer Bruderschaft am Niederrhein zu werden. Dies führte dann oftmals dazu, dass evangelische oder jüdische Mitbürger keine Aufnahme in den Bruderschaften finden konnten. Insofern kamen die Schützengesellschaften dem Toleranzgebot Friedrichs des Großen (jeder soll nach seiner Fasson selig werden) näher. Außerdem spielten die Bruderschaften innerhalb der Nationalbewegung eine weniger auffällige Rolle.


c. Kulturkampf

Im Kulturkampf (1871 bis 1878) ging es im wesentlichen um die Trennung von Kirche und Staat. Insbesondere die Einführung der Zivilehe führte zu Widerstand in den katholisch geprägten Landesteilen. Dies hatte jedoch keinen Einfluss auf die örtlichen Ge-wohnheiten. So wurde z.B. der Helenenbruderschaft das Schützenzelt zur Feier des Helenenfestes überlassen. Auch andere katholische Veranstaltungen fanden weiterhin im Zelt oder Schützenhaus der Gesellschaft statt. Die Schützengesellschaft blieb in diesen Zeiten stets neutral (vgl. auch Festschrift zum hundertjährigen Bestehen S. 27 folgende)


IV. Betrachtungen zum Schützenmotto "Ordnung, Eintracht, Frohsinn"

Getreu dem Motto der französischen Revolution Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit strebten die in Kleinstaaten lebenden Deutschen auch Freiheit, Einheit, Ordnung an. Die Folgen der Restauration hatten jedoch den Begriff Freiheit, d.h. demokratische Mitsprache, vorerst beerdigt. Man wird sich daher auf den Begriff Eintracht verständigt haben, also den friedlichen Zusammenhalt einer Gruppe. Man könnte hier auch die resignative Einsicht erkennen, dass der Traum einer demokratischen Mitsprache mit dem Ergebnis des Wiener Kongresses vorerst beerdigt war. Ordnung erhoffte man sich zuallererst in einem preußisch geprägten Staat und Xanten war ja schon Bestandteil des preußischen Staates. Preußen war im Gegensatz zu Österreich mit seinen vielen nichtdeutschen Provinzen, ein fast rein deutscher Staat. Außerdem strebte Preußen aggressiv auf Abrundung seines Staatsgebietes und Einflussbereiches, auf Kosten seiner kleinstaatlichen Nachbarn. In dieser Hinsicht sollten die möglicherweise bestehenden Hoffnungen sich in den verschiedenen Kriegen bis 1871 ja auch bewahrheiten (Kleindeutsche Lösung ohne Österreich). Hier blitzt dann wieder der pragmatische Traum von Einheit (Eintracht) auf. Das Motto Frohsinn könnte man im weitesten Sinn im Begriff Brüderlichkeit wiederfinden, also auch der Pflege der Geselligkeit.


V. Gesellschaft heute

Die Gesellschaft ist heute ein wesentlicher Bestandteil des Xantener Vereinslebens. Ihr ist es hervorragend gelungen aus dem Schwerpunkt des Militärischen in die Pflege der Geselligkeit, des Brauchtums und der Tradition zu wechseln. Die in der Vergangenheit mehr politisch zu deutenden Begriffe Ordnung und Eintracht scheinen erreicht. Der nunmehr vorherrschende Vereinszweck Frohsinn trifft die Vorstellung der Schützen am besten. Ordnung und Eintracht wurden zu dienlichen Tugenden des Frohsinns und der Geselligkeit.
Außerdem bedeutet einer Tradition treu zu sein, der Flamme treu zu sein und nicht der Asche (Zitat frei nach Jean Jaures). In Zeiten ausufernder Freizeitangebote ist es erstaunlich mit welchem Einsatz die Schützen Hand anlegen und Feiern. Es ist zu wünschen, dass die Vereinsführung auch weiterhin ein so gutes Gefühl in der Leitung des Bürgerschützenvereins zeigt.

VI. Vermischtes

a. Könige und Königinnen der Gesellschaft

Auch Max Basque (übrigens König 1930) konnte nicht lückenlos die Könige und Königinnen der Gesellschaft feststellen, trotz ihm vorliegender Protokolle, welche heute nicht mehr vorhanden sind. Auch konnte er nicht immer schlüssig die Gründe eines Schützenfestausfalls ermitteln. Er stellte hier Vermutungen an, wie Geldmangel und Unstimmigkeiten. Die Unterlagen war hier nicht immer hilfreich und ließen Deutungen zu. Geschichtliche Ereignisse wurden von Ihm und auch von mir zugesetzt.
Es ist z.B. aus den Büchern nicht ersichtlich, ob im Gründungsjahr 1831 ein Schützenfest stattgefunden hat. 1841 soll ein massiver Streit zwischen Schützenbrüdern zum Festausfall geführt haben. S
o gab es 1857 wohl Schwierigkeiten mit dem Zelt und dem noch nicht fertiggestellten Schützenhaus, welche zum Festausfall führten. Der Neubau wurde dann aber im September mit einem Ball gefeiert.
1856 war König zum 25. Jahr des Bestehens Theodor Knoll (jedoch wurde er auf Seite 24 der Festschrift mit H. Knoll bezeichnet). Am 11. 01. 1923 erfolgte die Rheinlandbesetzung durch Franzosen und Belgier, welche zum Ausfall des Schützenfestes führte. 1925 wurde dann ein Befreiungsschützenfest gefeiert, denn die Rheinlandbesetzung wurde für Xanten aufgehoben. Die Belgier waren abgezogen. 1937 wurde Gerd Hegmann der letzte König der Gesellschaft vor Ausbruch des II. Weltkrieges und er sollte es 11 Jahre bleiben. Bei dieser Gelegenheit rettete er auch noch das Königssilber durch die Wirren der Zeit.

Anmerkung: eine Aufstellung der Könige ist separat auf der entsprechenden Seite im Menue anwählbar.

b. IV. Kompanie

Die IV. Kompanie der Schützengesellschaft Xanten e.V. bestand von 1958 bis 1964. Im Laufe der Nachkriegsjahre stellte sich immer mehr heraus, dass der Krieg doch sehr große Lücken in den Schützenjahrgängen hinterlassen hatte. Es fehlte an Schützennachwuchs. Die Überlegung war, wie führt man die jungen Söhne der Schützen und überhaupt die entsprechenden Jahrgänge an die Gesellschaft heran. Diese Gedanken führten zur Gründung der IV. Kompanie.

Der Gründungsprozess der IV. Kompanie begann im Jahr 1958. Im Jahresbericht des gleichen Jahres war schon der Mangel an jungen Schützen beklagt worden. In den Jahren 1958/59 nahmen die Jungschützen dann an den Schießwettbewerben der Gesellschaft (außer Vogelschießen) teil. Lange Jahre hing im Schießstand eine Ehrenscheibe, auf der Hans-Georg Boskamp 1959 sein Können gezeigt hatte. Sie war lange Zeit verschollen, ist jedoch inzwischen wieder aufgetaucht.

Die Besprechungen mit den zukünftigen Jungschützen 1958/59,hinsichtlich der Eingliederung in die Gesellschaft, erwiesen sich als schwierig. Der Vorstand strebte eine gleichmäßige Verteilung der zukünftigen Jungschützen auf die einzelnen Kompanien an. Dieser Lösung waren jedoch nur wenige Junganwärter zugetan. Vor allem die Söhne von Nichtmitgliedern bestanden auf Gruppenzusammenhalt. Man einigte sich, indem einer Jugendkompanie zugestimmte wurde. Nun entwickelte sich die Hutfrage zum Problem. Den Jungen gefiel der traditionelle Schützenhut von "Kappe Karl" (Karl Claessen) nicht. Man stimmte einer eigenständigen Kopfbedeckung zu. Damit war das Eis gebrochen und 1960 marschierte die IV. Kompanie unter dem Hauptmann Walter Ternierssen im Schützenzug und nahm an allen Veranstaltungen der Gesellschaft teil (außer dem Königschuss).

Wie heißt es doch im Jahresbericht 1960: Nach langjährigen, fast aussichtslos erscheinenden Bemühungen ist es uns endlich gelungen, eine feste Jugendgruppe in unserer Gesellschaft zu schaffen. Beim letzten Schützenfest sahen wir erstmals diese Gruppe als IV. Kompanie an der Spitze des Schützenzuges marschieren. Es haben sich etwa 20 junge Männer zusammengefunden, die fest zu unserer Devise stehen und weiter für diese Idee werben wollen.
Die Jahreshauptversammlung 1961 beschloss dann zur Jugend-Kompanie, dass jeder junge Mann ab 18 der Jugendkompanie angehören kann. Mit Erreichung des 24. Lebensjahres muss er sich für eine Kompanie des Bataillons entscheiden, kann jedoch 2 Jahre Verlängerung in der IV. Kompanie beantragen.

Es kam jedoch alles ganz anders. Der Beschluss aus 1961 ließ sich, wie so vieles, nicht buchstabengetreu umsetzen. Der Gruppenzusammenhalt war zu groß. Nach diesem Beschluss hätte ein ständiger Wechsel zwischen der IV. und den anderen Kompanien stattfinden müssen. Die Jungschützenkompanie hatte jedoch eine solche eigene Identität entwickelt, dass keiner wechseln wollte, auch wenn er schon älter war. Das Problem der Überalterung der anderen Kompanien war damit nicht gelöst. Die Gesellschaft tolerierte diese Lage bis zum Jahr 1964, dann musste eine Entscheidung her. Die IV. wurde aufgelöst und den Mitgliedern empfohlen sich einer Kompanie ihrer Wahl anzuschließen. Dies geschah nur unter lautem Protest, denn man hatte sich wunderbar in der eigenen Laube bei gespendeten kalten Enten eingerichtet. Es kam wie es kommen musste, die Auflösung war gleichzeitig auch Sprengsatz. Sehr, sehr viele waren nicht bereit, diesen Schritt eines Übertritts in die bestehenden Kompanien mit zu tun und traten aus. Nun ist es nicht so gewesen, als wenn die IV. kein Kommen und Gehen gekannt hätte. Während der Zeit ihres Bestehens kamen viele dazu, aber auch viele gingen. Teils wegen Ausbildung, Wegzug oder weil es ihnen einfach nicht gefiel.

Ich erinnere mich noch an folgende Schützen, welche diesen Schritt der Auflösung und des Übertritts in die bestehenden Kompanien damals mittrugen:

I. Kompanie II. Kompanie III. Kompanie
Boskamp, Hans-Georg Ackermann, Eugen Küppers, Willi
Ullenboom, Theo de Fries, Hans-Ferdinand Küsters, Heinz
  de Fries, Klaus-Julius Schmithüsen, Heinz
  Kiwitz, Ernst Scholten, Karl-Georg
  Schütt, Ditmar Winter, Peter
    Wittinghofer, Fred
    Wolf, Heribert
    Ziegler, Wilfried

Der König 1965 kam dann aus den Reihen der aufgelösten IV. Kompanie, SM Hans-Ferdinand de Fries. Er war da allerdings in der II. Kompanie. Es muss jedoch auch gesagt werden, dass einige der damals aus Verärgerung oder aus sonstigen Gründen ausgetretenen Jungschützen den Weg zurückfanden und heute verdiente und treue Schützen sind. Man sollte nicht unerwähnt lassen, dass unser erster Laubenbau nicht ohne Komik ablief. Es wurden seinerzeit Gerüstbäume für die Lauben verwand. Diese gruben wir so geschickt ein, dass wir prompt den Abwasserkanal trafen. Mit viel Zement und Trara wurde ein Versinken des Festes in Abwässern verhindert.

Gesamt-Mitgliederliste IV. Kompanie:
Ackermann, Eugen †
Ullenboom, Theo †
Anfang, Peter †
Winter, Peter
Boskamp, Hans-Georg
Wittinghofer, Fred
Brauer, Johannes †
Wittinghofer, Werner †
Fries de, Hans-Ferdinand
Wolf, Heribert
Fries de, Klaus-Julius
Ziegler, Wilfried
Gatermann, Klaus (ab 1964) †
Gerber, Kurt
Göbel, Gerd
Görtzen, Franz-Josef
Gundlach, Heinrich
Gundlach, Werner
Holtmann, Bruno
Heroske,Werner
Koppers, Ludger
Kiwitz, Ernst
Küppers, Willi
Küsters, Heinz * 30.04.1939 † 04.11.2011
Schenke, Gert
Schmithüsen, Heinz (Schmink)
Schmitz, Michael †
Schneider, Klaus
Schneider, Wolfgang
Scholten, Karl-Georg
Schütt, Dietmar
Seegers, Günter
Ternierssen, Walter †

c. Rolle der Gewerbeanzeigen in den Festschriften

Gewerbeanzeigen in den jeweiligen Festschriften sind auch ein wichtiger Hinweis auf die Xantener Stadtgeschichte. So fallen einem beim Lesen auf, welches Auf und Ab in diesem Bereich im Laufe der Jahre stattfindet. Neue Firmen tauchen auf, alte verschwinden oder behaupten sich über Generationen. So taucht nach Durchsicht alter Festschriften manchmal die Frage auf, "kanntest du die Firma noch" usw. Auch sind manche Gewerbe nur noch seltener präsent oder gar nicht. Auf jeden Fall ein kurzweiliger Anlass in die Vergangenheit der Stadt einzutauchen.

d. Schützenhaus

Mit dem Beschluss der Generalversammlung vom 22. Oktober 1857 wurde das zur Erbauung des Schützenhauses erforderliche Anlagekapital auf 3.500,-- Thaler festgelegt. In der Satzung musste nach § 8 jeder Neuaufgenommene zwei Aktien im Wert von 20 Thaler nehmen. Dieser verpflichtende § 8 wurde erst mit Beschluß vom 26. Mai 1864 wieder aufgehoben. Das Schützenhaus, fertiggestellt im Jahr 1857 durch den Kreisbaumeister Cuno (Cuno wurde auf Seite 14 der Festschrift "100 Jahr Schützengesellschaft" als Dombaumeister bezeichnet, er war auch Ehrenmitglied). Bis 1878 bestand die Beleuchtung aus Kerzen, dann Petroleum. Im Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 diente es als Lazarett. Heute stellt das Haus die Stein gewordene Zuversicht der Schützen in die Zukunft dar.

 

 

Die "Heeresschötzen" - wie alles begann (Rheinische Post vom 21.07.2006)

Das Bestehen der fast 175-jährigen Schützengesellschaft Xanten geht auf einen Freundeskreis zurück, der sich 1831 beim Landwirt Peters auf dem Fürstenberg traf. Neben den bestehenden Schützenbruderschaften wollten sie als Gegensatz unter dem Leitgedanken "Ordnung, Eintracht und Frohsinn" eine Schützengesellschaft gründen, die weder kirchlich noch politisch gebunden ist. Freundschaft und Geselligkeit sollten im Vordergrund stehen.

Zu den Gründungsmitgliedern gehörte der Notar, Justizrat und Altertumssammler Philip Houben. Der Begriff ´Gesellschaft` dürfte sich wohl aus dem überwiegend gehobenen Stand der ersten 33 Mitglieder ableiten. Auch Bürgermeister Friedrich Ueberhorst gehörte dazu. Allmählich verebbt auch der plattdeutsch geprägte Begriff der ´Heeresschötze` (´Herrenschütze`), da heute jeglicher Stand vertreten ist. Bei allem Elan, so herrlich waren die ersten Zeiten nach der Gründung nicht. Das erste Zelt war zu klein und schlecht konstruiert, immer wieder musste provisorisch angebaut werden. 1833 ging beim Vogelschießen eine geliehene Kanone ´entzwey` - es gab Unstimmigkeiten und in den ersten 30 Jahren fielen allein zehn Schützenfeste aus. Erster Schützenkönig wurde 1832 Heinrich Hollands. Wurden lange Zeit Neumitglieder nur mit Zweidrittel-Zustimmung per ´Ballotage`, Abstimmung mit weißen und schwarzen Kugeln für ja und nein zugelassen, tauchten in den ersten Jahren viele Weseler Offiziere, alle einstimmig aufgenommen, in den Schützenreihen auf. Das Weseler Militär stellte gegen 60 Thaler auch die Musik. Ein Schützenfest wurde mit Böllerschüssen morgens um 5 Uhr früh `bey der Stadt´ eingeleitet. `Der schönsten Feste eines feiert Xantens' Bürgerschaft´, berichtet ´Der Bote für Stadt und Land` im Jahre 1880.

Glücklicherweise konnten in einem Banksafe wertvolle Dokumente und eine Königskette in Gold über die Weltkriege gerettet werden. Die Schützengesellschaft ließ sich nicht entmutigen. In der Blütezeit der Gesellschaft entstand 1867 das immer noch stolze aufragende Schützenhaus. Xantens Chronist Josef Engel schrieb anlässlich des 100-jährigen Bestehens 1931: "Wer sich jemals ernsthaft mit der Geschichte der Schützengesellschaft auseinander gesetzt hat, der weiß, mit welchem berechtigten Stolz die Schützenmitglieder auf das verflossen Jahrhundert zurückblicken."

(wird fortgesetzt)


 

Das 175. Schützenfest der Schützengesellschaft Xanten wurde an folgenden Terminen begangen:

Datum
Uhrzeit
Ort
Anlaß / Veranstaltung
Donnerstag 03.08.2006 18:00 Uhr Hotel van Bebber Sammeln und anschließend Zug zum Schützenhaus
19:00 Uhr Schützenhaus Großes Biwak
Samstag 05.08.2006 12:30 Uhr Residenz der Königin Ständchen bei der Königin Hilde
13:30 Uhr Gaststätte Zur Börse Sammeln der Schützen am Markt
14:30 Uhr Marktplatz Zug zum Schützenhaus
15:00 Uhr Schützenhaus Konzert, Königsschießen, anschließend Tanzabend
16:00 Uhr Schützenhaus Damenkaffee, nach dem Könisschuß: Proklamation des neuen Königs
Sonntag 06.08.2006 11:00 Uhr Schützenhaus festlicher Jubliäumsfrühschoppen mit gemeinsamen Mittagstisch
Samstag 12.08.2006 17:30 Uhr Residenz der Königin Ständchen bei der Königin
18:00 Uhr Gastronomie am Markt Sammeln der Schützen in den Kompanielokalen am Markt Platzkonzert auf dem Marktplatz
19:00 Uhr Marktplatz

Abholen des Königspaares und Throngefolges, Parade auf dem Markt, Festzug zum Schützenhaus, Großer Krönungsball mit Huldigung des Königspaares und Ehrung der Preisschützen

 

Neben dem Vorstand mit Rüdiger Ullenboom als Präsident unserer Schützengesellschaft haben wesentlich zum Gelingen des Jubiläums beigetragen:

Hermann-Josef van Bebber
Hans de Fries
Klaus-Julius de Fries
Adrian Thyssen sen.
Heinz-J. Veltjens


 

Festrede anlässlich der Festversammlung zum 175. Jubiläum am 06.08.2006 im Schützenhaus Xanten von Hans de Fries

Ich möchte vorausschicken, daß ich in die gehaltene Rede, Eindrücke die ich an diesem Morgen erhielt, eingeflochten habe. Besonders imponierte mir das Musikstück “Die Post im Walde”, welches unser Oberst, Alfred Opel, zusammen mit dem Blasorchester Praest dargeboten hat. Ebenso habe ich Eindrücke vom Biwakabend aus der Rede der alten Majestät, Hermann-Josef van Bebber, sowie vom Schießen und dem Jubiläumskönig Markus Eckholt eingeflochten.

Als ich den Aufrag bekam diese Rede zu halten, habe ich mir überlegt, worüber ich denn reden solle. Ist es angebracht über die Geschichte des Vereins zu berichten und den Werdegang der 175 Jahre nachzuvollziehen, oder sollte ich meine Gedanken zu dem Sinn und der Anziehungskraft dieser Gesellschaft wiedergeben?

Die Geschichte der Gesellschaft ist in der Festschrift von Adrian Thyssen hervorragend wiedergegeben worden. Ich könnte nur eine Wiederholung des hier geschriebenen zu Gehör bringen. Mir erscheint es wichtiger, zu hinterfragen, wieso ein Verein, in diesem Fall die Gesellschaft, 175 Jahre über alle Wirren der Zeit und über Generationen hinweg, seinen Reiz und seine Anziehungskraft erhalten hat. Um dieser Frage auf den Grund gehen zu können, muß ich allerdings zu den Ursprüngen der Gesellschaft zurückkehren.

Im Jahre 1831 waren es Xantener Bürger, die sich auf dem Fürstenberg trafen, um einen Schützenverein zu gründen. Es handelte sich um Bürger, die den konfessionellen Bruderschaften nicht beitreten konnten oder aus politischen oder anderen Gründen nicht beitreten wollten. Sie erstellten eine Satzung und im folgenden Jahr, 1832, wurde das erste Schützenfest gefeiert.

Die Urzelle unserer Gesellschaft ist die damals erstellte Satzung, die natürlich in den Folgejahren abgeändert und ergänzt wurde. In dieser Satzung wurden Regeln aufgestellt, die teilweise heute noch Gültigkeit haben. Die Gründerväter hatten sich vor allen Dingen eine Devise gegeben, die das Leben in der Gesellschaft bis zum
heutigen Tag geprägt hat:
Ordnung - Eintracht - Frohsinn

Diese Devise kann man auch als Kernaussage der beschlossenen Satzung bezeichnen. Ich behaupte, das es diese Devise ist, die verantwortlich dafür zeichnet, daß die Gesellschaft durch alle Wirren Zeit, Kriege, Kulturkampf, Industrialisierung, Inflation, Nationalsozialismus, Zerstörung und Wiederaufbau bis zum heutigen Tag 175 Jahre überlebt hat. Wo Ordnung und Eintracht herrscht, fühlt man sich geborgen und kann mit einer sorgenfreien Leichtigkeit dem Frohsinn frönen.
Ordnung - Eintracht - Frohsinn steht für gelebte Kameradschaft, für Tradition und Lebensfreude. Diese drei Begriffe sind verantwortlich für das Charisma, der Anziehungskraft, das von der Gesellschaft ausgeht. Wodurch werden diese drei Begriffe mit Leben erfüllt?

1. Durch herausragende Persönlichkeiten. Ich meine damit nicht nur die führenden Personen, sondern auch Schützen, die durch ihre Art und Originalität hervorgetreten sind. Solche Persönlichkeiten hat es in der Gesellschaft immer gegeben und wird es auch immer geben.

2. Durch Regeln. Regeln die in der Gesellschaft befolgt werden und die Einzigartigkeit der Gesellschaft dokumentieren. Ein anders Wort für diese Regeln ist das Wort “Tradition”.

3. Durch Erinnerungen, die in den Köpfen der Schützen verankert sind, und die für sie den Reiz der Gesellschaft ausmachen, die sie immer wieder dazu bewegen, im August mit Freude zum Schützenfest zu gehen. Lassen sie mich erklären, warum ich die Tradition und die Erinnerungen so hoch schätze, und warum ich sie
mitverantwortlich für das 175 jährige Bestehen der Gesellschaft mache.

Tradition: Erlauben Sie mir die Tradition mit einem Haus zu vergleichen. Das Haus ist aus guten Materialien auf festem Grund für Generationen gebaut. Es ist so solide, daß kein Sturm und kein Unwetter ihm etwas anhaben kann. In 175 Jahren hat es viele Bewohner und Generationen beheimatet. Die Zeit hat ihre Spuren hinterlassen.
Vieles hat sich geändert, der Geschmack, die Lebensart und die Bedürfnisse. Renovierungen waren notwendig, das Haus wurde modernisiert, die Räume neu gestaltet, aber das Haus steht nach wie vor wie ein Fels in der Brandung. So ist es auch in der Gesellschaft mit der Tradition, die ursprünglichen Regeln haben Fortbestand. Sie haben sich im Laufe der Jahre der Zeit angepaßt, sind aber nicht der Beliebigkeit anheimgefallen. Wie die Mauern des Hauses ist die Tradition das Bollwerk, das der Gesellschaft den Halt gibt.

Kommen wir zu den Erinnerungen. Ich weiß nicht, ob Erinnerungen das richtige Wort für das ist, was ich damit ausdrücken möchtel, aber mir fiel kein besseres ein, deshalb bleibe ich dabei. Die Erinnerungen sind das das in jedem Schützen schlägt. Kein Schütze der einmal dem verfallen ist, kann sich ihnen entziehen. Herz der Gesellschaft - Schützenvirus.
Erinnerungen resultieren aus Begebenheiten, die der Schütze im Kreise seiner Kameraden erlebt hat. Durch erzählen und weiterberichten werden diese kleinen Geschichten zu großartigen Aktionen und so zu den sogenannten Dönkes. Diese Geschichten, oder Dönkes, sind das Salz in der Suppe. Durch sie lebt die Gesellschaft und ziehen immer wieder junge Männer in ihren Bann. Lassen Sie mich ihnen an einigen Beispielen mit meinen Erlebnissen verdeutlichen, was ich damit meine.

Biwak1948
Das erste Schützenfest nach dem verheerenden Krieg wird gefeiert. Die Stadt liegt in Schutt und Asche, die Männer die aus dem Krieg und der Gefangenschaft zurückgekehrt sind haben mit dem Wiederaufbau begonnen. In den Straßen sind Gleise verlegt, kleine Locks fahren mit den sogenannten Looren und transportieren den Schutt ab. Der erste König ist Paul Langen, der spätere Bürgermeister der Stadt, seine Königin ist Toni Boell. Kommen wir zurück zu diesem Biwakabend. Zwei Schützen August Scheuvens, ein ehemaliges Vorstandsmitglied der Gesellschaft und Otto Böttcher, von dem das Tellbild in unserem Schützensaal stammt, verlassen für kurze Zeit die Biwakgesellschaft, um ihrem Freund, dem ehemaligen Präsidenten der Gesellschaft, Ferdinand de Fries, einen Teller der traditionellen Erbsensuppe zu bringen. Ferdinand de Fries litt zu dieser Zeit schon an der Parkinsonkrankheit und konnte den Sessel nicht verlassen.
Für mich, als damals siebenjährigen Jungen, war das die erste Begegnung mit der Schützengesellschaft. Dieses Ereignis hat sich tief in mein Denken eingenistet. Wenn zwei Männer extra eine Feier verlassen, um ihrem Freund, wenn auch nur durch eine Erbsensuppe, an dem Fest teilnehmen zu lassen, dann mußte diese Gesellschaft, der sie angehören, schon etwas besonderes sein und im Leben der drei Männer einen besonderen Stellenwert einnehmen.

Schützenfest 1951
Josef Görtzen wird König der Gesellschaft, zu seiner Königin erwählt er meine Mutter, Luise de Fries. Damals fand das Königschießen noch am Sonntag statt. Am Montag war der Königsball. Zum Schießen waren nur die Schützen auf dem Fürstenberg. Es gab noch keinen Damenkaffee und die Frauen waren nicht im Schützenhaus zugegen. Es war die Aufgabe des berittenen Adjutanten, die Königin von der ihr zuteil gewordenen Ehre zu unterrichten. Also kam der damalige Adjutant, Heinrich Holt zu Pferd in die Stadt, eilte zu meiner Mutter Luise, nahm Haltung an und überbrachte ihr die frohe Kunde. Für mich, damals elf Jahre alt, ein bedeutendes Ereignis. Eine kleine Begebenheit am Rande dieses Schützenfestes 1951, hat mich endgültig mit dem Schützenvirus infiziert. Es war nur ein kurzer Satz, “Alles in Butter”.
Vor unserem Haus hatte die Kapelle Opel Aufstellung genommen, es war das Ständchen bei der Königin, ein Schilderhäuschen war aufgebaut und zwei Schützen hielten Wache. Zahlreiche Schaulustige standen drum herum als ein stattlicher Mann, im schwarzen Anzug, mit grünweißer Schärpe und Federbusch auf dem Hut heraneilte. Er ging durch die Gasse zum Schilderhäuschen und begrüßte die Schützen und Musiker mit diesem Satz. “Alles in Butter?”. Der großartige Schütze war Carl Hammans. Er war wohl in dem Jahr Feldwebel der 2.Kompanie. Für mich war fortan Carl Hammans, dieser Satz und die Schützengesellschaft zu einer Einheit geworden.

Diese Geschichten oder Dönekes, sind es, die mich zu einem begeisterten Schützen werden ließen. Ich habe in den Folgejahren noch viele Begebenheiten in der Gesellschaft erlebt und so wie mir, geht es sicherlich allen Schützen. Es vergeht kein Schützenfest, wo nicht mit Freunden diese Dönkes erzählt werden.
Weißt Du noch?
Diese Geschichten wurden gemeinsam erlebt und alle die daran teilgenommen haben, blicken mit einem lachendem Auge darauf zurück. Die Gemeinsamkeit des Erlebens und die Tatsache das man dieses nur in der Gesellschaft erleben kann, machen den Reiz des Schützenfestes aus. Das Erinnern, an die erlebten oder gehörten Dönkes, ebenso wie an schöne Thron- oder Königsjahre wird in unserer Devise mit dem Frohsinn gleichgesetzt. Man kann dieses auch den Schützenvirus nennen, dieses geheimnisvolle Gefühl, das alle Schützen befällt, wenn der Termin naht.

Ordnung - Eintracht - Frohsinn, für mich habe ich diese Devise so gedeutet wie ich sie ihnen gerade vorgetragen habe. Ich bin davon überzeugt, das unter dieser Devise die Gesellschaft noch viele Jahre bestehen kann und vielen Menschen sorglose und frohe Stunden bringen wird. Ihnen und der Schützengesellschaft wünsche ich weiterhin einen glücklichen Verlauf des Schützenfestes und weiterhin erfolgreiche Jahre unter der Devise:
Ordnung - Eintracht - Frohsinn

Ich danke Ihnen.

Hans de Fries

 

 


 


 


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